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Wir brauchen eine eigenständige Jugendpolitik!

Jugend ist eine eigenständige Lebensphase. Für Menschen, die beruflich, ehrenamtlich oder familiär mit jungen Menschen zu tun haben mag das eine Binsenweisheit sein. Leider findet sich diese Erkenntnis aber in politischen Maßnahmen immer noch nicht angemessen wider. Jugendliche sind keine Kinder. Sie wie „kleine Erwachsene“ zu behandeln wird ihnen ebenfalls nicht gerecht. Wir müssen daher auch in der Politik anerkennen, dass eine eigenständige Lebensphase auch eine eigenständige Politik braucht!

Das BMFSFJ verfolgt seit 2015 das Ziel einer eigenständigen Jugendpolitik. 2019 wurde die gemeinsame Jugendstrategie der Bundesregierung ins Leben gerufen. In den letzten Jahren wurden in diesem Rahmen viele gute Papiere geschrieben, wie Deutschland jugendgerechter werden kann. Leider hapert es aber wie so oft an der Umsetzung. Zwar wurden im Rahmen der Jugendstrategie eine ganze Reihe guter Maßnahmen umgesetzt, die Deutschland vielen Stellen jugendgerechter gemacht haben. Viele hatten aber eher modellhaften Charakter und waren wenig nachhaltig. Auch ist insbesondere mit Blick auf eine ressortübergreifende Jugendstrategie noch Luft nach oben: Deutschland kann nur jugendgerechter werden, wenn auch die Finanz-, Umwelt-, Gesundheits- und Innenpolitik jugendgerechter wird.

Die Jugendstudien der letzten Monate zeigen uns eindringlich auf: Die Interessen von Jugendlichen finden in Deutschland zu wenig Gehör! Junge Menschen sind mehr als Schüler*innen. Sie kamen in der öffentlichen Wahrnehmung während der Corona-Pandemie aber nur vor, wenn es um Schulschließungen ging. Jugendliche sind mehr als zukünftige Erwachsene. Maßnahmen die nur auf ihre Integration ins Berufsleben abzielen werden ihnen nicht gerecht.

Wir brauchen in Deutschland eine wirklich eigenständige Jugendpolitik! Wir müssen Jugendliche mit ihren Interessen, Träumen, Wünschen, Ängsten und Forderungen ernst nehmen. Dafür müssen sie an politischen Entscheidungen direkt beteiligt werden, das Wahlalter muss auf 16 Jahre gesenkt werden. Bei Gesetzgebungsprozessen müssen die Interessen junger Menschen vorranging berücksichtigt werden. Jugendliche dürfen nicht die Leidtragenden einer verfehlten Generationenpolitik bleiben.

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